Spanische Ausdrücke beim Essen: Guten Appetit, lecker und Co. – vom Heißhunger bis zur sobremesa

Kodak
Stell dir vor: Du sitzt mit spanischen Freunden am Tisch, das Essen kommt, und alle schauen sich kurz an. Jetzt wäre der Moment für ein „Guten Appetit!“.

Heute gehen wir genau solche Momente durch, und zwar in der Reihenfolge, in der sie beim Essen passieren: vorher, am Anfang, währenddessen und danach.

Vier Wörter reichen dafür schon: antojo, buen provecho, qué rico und sobremesa.

Nur vier? Ich dachte, beim Essen gibt’s tausend feste Sprüche, die man alle auswendig lernen muss.
Kodak

Gibt’s auch, aber die vier hier tragen dich durch jede Mahlzeit. Und schau mal: Deutsch hat für fast jeden dieser Momente selbst einen festen Ausdruck. Guten Appetit, Mahlzeit, Danke, gleichfalls, lecker, mir ist nach …

Du fängst also nicht bei null an. Du musst nur wissen, welcher deutsche Ausdruck zu welchem spanischen passt, klar?

Die gute Nachricht zuerst: „Danke, gleichfalls“ gibt es auch auf Spanisch

Viele Lernende haben weniger Angst davor, selbst „Guten Appetit“ zu sagen, als davor, darauf antworten zu müssen. Hier kannst du dich entspannen: Die deutsche Standardantwort lässt sich wörtlich übertragen.

Die Antwort, die du schon kannst

— ¡Buen provecho! (Guten Appetit!)
— Gracias, igualmente. (Danke, gleichfalls.)

gracias = danke  /  igualmente = gleichfalls, ebenso

Wort für Wort dieselbe Antwort wie im Deutschen.

Ach so, also genau wie zu Hause: „Danke, gleichfalls“, nur eben auf Spanisch. Das hab ich sofort drauf.
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Genau! Und eine Falle gleich dazu: Antworte nicht mit De nada.

De nada heißt „Gern geschehen“ und ist die Antwort auf ein Danke. Auf einen Wunsch wie „Guten Appetit“ passt es nicht, im Deutschen sagst du darauf ja auch nicht „Bitte schön“, oder?

Eine Mahlzeit in vier Wörtern: die Zeitleiste

Bevor wir ins Detail gehen, hier der Überblick. Leg die vier Wörter einfach auf die Zeitachse einer Mahlzeit:

Von vorher bis nachher: vier Wörter, vier Momente

1. Vorher: antojo
Die plötzliche Lust auf etwas Bestimmtes ⇒ „Ich hab Heißhunger auf …“, „Mir ist nach …“
↓
2. Am Anfang: ¡Buen provecho!
Der Wunsch vor dem ersten Bissen ⇒ „Guten Appetit!“, „Mahlzeit!“
↓
3. Währenddessen: ¡Qué rico!
Das Lob fürs Essen ⇒ „Lecker!“, „Das schmeckt!“
↓
4. Danach: la sobremesa
Das Sitzenbleiben und Weiterreden, wenn die Teller leer sind ⇒ dafür hat Deutsch kein eigenes Wort

Moment, bei Nummer 4 gibt’s auf Deutsch gar nichts? Das ist ja spannend.
Kodak

Heben wir uns fürs Ende auf! Vorher noch ein Überblick, wo du umdenken musst und wo nicht:

Drei der vier Wörter passen zu etwas, das du aus dem Deutschen kennst. Wirklich neu ist nur eine Sache: die Frage ser oder estar bei qué rico. Da hat Deutsch nur ein einziges „ist“, Spanisch hat zwei. Dazu kommen wir gleich.

1. Vor dem Essen: antojo – „Ich hab Lust auf …“

Alles beginnt mit dem Hunger, genauer gesagt mit der Lust auf etwas ganz Bestimmtes. Genau das ist ein antojo: ein plötzliches, starkes Verlangen, oft nach einem bestimmten Essen.

【Beispiele】
・Tengo antojo de tacos.
(Ich hab Heißhunger auf Tacos. / Ich hab total Lust auf Tacos.)
・Se me antoja un helado.
(Mir ist nach einem Eis. / Ich hätte jetzt Lust auf ein Eis.)

Der erste Satz geht ja noch. Aber se me antoja? Das sieht total verdreht aus.
Kodak

Sieht nur so aus! Schau mal auf deinen eigenen Satz: „Mir ist nach einem Eis.“

Da steht nicht „ich“, sondern „mir“, also der Dativ. Die Person ist nicht die, die handelt, sondern die, bei der das Gefühl ankommt.

se me antoja funktioniert genauso: me = mir. Du kennst den Bauplan also schon aus dem Deutschen. Die Details, auch die eine kleine Neuheit dabei, bekommst du im eigenen Artikel.

Warum das Wort ursprünglich etwas mit den Augen zu tun hat, was es mit Schwangerschaftsgelüsten und sogar mit dem deutschen Wort Muttermal verbindet und was antojitos in Mexiko sind, liest du hier: antojo, se me antoja, antojitos: Heißhunger auf Spanisch.

2. Zu Beginn: ¡Buen provecho! – mehr „Wohl bekomm’s“ als „Guten Appetit“

Das Essen steht auf dem Tisch. Jetzt kommt der Satz, den du am häufigsten brauchen wirst:

„Guten Appetit“ auf Spanisch

¡Buen provecho! ⇒ die Standardform, überall verstanden
¡Provecho! ⇒ die Kurzform, besonders in Mexiko sehr häufig
¡Que aproveche! ⇒ vor allem in Spanien sehr verbreitet

Also heißt provecho einfach „Appetit“?
Kodak

Nein, und genau das ist das Schöne daran. provecho heißt „Nutzen, Gewinn“. Die Real Academia Española beschreibt buen provecho als Wunsch, dass etwas der Gesundheit oder dem Wohlbefinden einer Person nützt.

Man wünscht also nicht „Hab Hunger!“, sondern „Möge dir das Essen guttun“. Und dafür hat Deutsch einen Ausdruck, der viel näher dran ist als „Guten Appetit“: „Wohl bekomm’s!“

Und noch eine Parallele: Wenn du in Deutschland mittags auf dem Flur „Mahlzeit!“ sagst, grüßt du auch Kollegen, die gerade gar nicht essen. In Mexiko wiederum ist es üblich, auch fremden Leuten, die man essen sieht, ein kurzes „¡Provecho!“ zu wünschen, etwa wenn man im Restaurant an ihrem Tisch vorbeigeht. In beiden Kulturen gehört der Essenswunsch also nicht nur der eigenen Tischrunde.

Warum bueno hier zu buen wird, warum „Wohl bekomm’s“ und „Que aproveche“ grammatisch fast gleich gebaut sind und wie du in Mexiko auf ein „¡Provecho!“ von Fremden reagierst, erfährst du hier: buen provecho: Bedeutung, Antwort und warum es eher „Wohl bekomm’s“ heißt.

3. Während des Essens: ¡Qué rico! – die einzige echte Neuheit

Der erste Bissen, und es schmeckt. Das spanische „Lecker!“ lautet:

【Beispiele】
・¡Qué rico!
(Wie lecker! / Mmh, lecker!)
・¡Qué rica está la sopa!
(Die Suppe schmeckt echt super!)
・Está muy rico.
(Das schmeckt sehr gut.)

Moment mal. rico heißt doch „reich“! Das hab ich schon mal gelernt.
Kodak

Stimmt, und das ist kein Zufall: rico und reich sind tatsächlich verwandt. Beide gehen auf ein germanisches Wort zurück, spanisch rico kommt laut Wörterbuch der Real Academia Española aus dem Gotischen reiks.

Aber beim Essen heißt rico eben „lecker“. Und hier kommt die eine Sache, die wirklich neu für dich ist: Ob es „reich“ oder „lecker“ bedeutet, hängt oft am Verb. está rico sagt man über das Essen, das man gerade probiert, es rico über eine Person heißt „er ist reich“.

Ach so, also ist das ser/estar-Ding, von dem alle reden. Auf Deutsch sag ich einfach „ist“ und fertig.
Kodak

Genau. Aber einen Trick hast du trotzdem: Denk an den Unterschied zwischen „Das schmeckt!“ und „Das ist lecker.“

„Das schmeckt!“ sagst du über den Teller vor dir, jetzt, in diesem Moment. Genau dieses Gefühl hat está rico. Wie das im Detail aussieht und warum du „¡Qué rico estás!“ besser nicht zu einer Person sagst, klären wir in einem eigenen Artikel.

Den ganzen Unterschied zwischen está rico und es rico, die Frage „rico oder delicioso?“ und warum „reichhaltiges Essen“ auf Spanisch gar nicht mit rico übersetzt wird, findest du hier: ¡Qué rico! – warum rico hier „lecker“ heißt und nicht „reich“.

4. Nach dem Essen: la sobremesa – das Wort, das dem Deutschen fehlt

Die Teller sind leer. In vielen deutschen Haushalten heißt das: abräumen, aufstehen, weiter geht’s. In Spanien bleibt man gern noch sitzen, trinkt einen Kaffee und redet, manchmal eine halbe Stunde, manchmal bis in den Abend. Diese Zeit hat einen eigenen Namen: la sobremesa.

sobremesa zerlegt

sobre (auf, über) + mesa (Tisch)
⇒ wörtlich „über dem Tisch“, „am Tisch“
⇒ gemeint: die Zeit, die man nach dem Essen noch am Tisch sitzen bleibt

Nos quedamos de sobremesa hasta las cinco.
(Wir sind nach dem Essen noch bis fünf Uhr am Tisch sitzen geblieben.)

„Über“ plus „Tisch“, das ist ja gebaut wie ein deutsches Wort! Aber Moment, Nachtisch ist doch auch „Tisch“ plus was. Ist sobremesa dann der Nachtisch?
Kodak

Gute Frage, und die stellen sich viele! Heute nicht: Der Nachtisch heißt el postre. sobremesa ist keine Speise, sondern eine Zeit, ein Beisammensein.

Aber dein Gefühl ist gar nicht so falsch. Warum, das ist eine der schönsten Geschichten in diesem Themenbereich, und die erzähle ich dir im eigenen Artikel.

Was sobremesa mit deinem Desktop-PC und einer Tischlampe zu tun hat, warum das deutsche Tischgespräch nur fast passt und was es mit dem Nachtisch wirklich auf sich hat, steht hier: sobremesa: Bedeutung und warum Deutsch dafür kein Wort hat.

Weitere nützliche Sätze rund um den Tisch

Mit den vier Wörtern hast du das Gerüst. Hier noch ein paar Sätze, die beim Essen ständig fallen und die du ohne große Grammatik sofort benutzen kannst:

Spanische Sätze beim Essen

¡A comer! ⇒ Essen ist fertig! / Kommt essen!
¿Me pasas la sal, por favor? ⇒ Gibst du mir bitte das Salz?
¿Quieres más? ⇒ Willst du noch was?
Estoy lleno. / Estoy llena. ⇒ Ich bin satt. (als Mann / als Frau)
¡Salud! ⇒ Prost! / Zum Wohl!
La cuenta, por favor. ⇒ Die Rechnung, bitte.

Bei Estoy lleno fällt mir auf: Da ist ja schon wieder estar!
Kodak

Gut aufgepasst! Satt bist du ja nur jetzt, nach diesem Essen, und nicht für immer. Deshalb estar, genau wie bei está rico. Du siehst: Die eine Neuheit von vorhin begegnet dir beim Essen immer wieder.

Und ein Tipp am Rande: ¡Salud! hörst du auch, wenn jemand niest. Dann heißt es „Gesundheit!“.

Wenn du nicht am Familientisch sitzt, sondern an einem Taco-Stand in Mexiko stehst, brauchst du noch ein anderes Werkzeug: die kurze Bestellformel und die Namen der Füllungen. Das haben wir hier zusammengestellt: Mexikanisches Essen: die wichtigsten Vokabeln und wie du Tacos auf Spanisch bestellst.

Alles zusammen: ein Mittagessen auf Spanisch

Zum Schluss setzen wir die vier Momente zu einer kleinen Szene zusammen. Lies sie einmal laut, dann hast du den ganzen Ablauf im Ohr:

Ana: Oye, se me antoja una paella.
(Du, mir ist nach einer Paella.)
Tom: ¡A mí también! Vamos.
(Mir auch! Komm, lass uns gehen.)

Ana: ¡Buen provecho!
(Guten Appetit!)
Tom: Gracias, igualmente.
(Danke, gleichfalls.)

Tom: ¡Mmm, qué rica está!
(Mmh, die schmeckt richtig gut!)

Ana: ¿Pedimos un café y nos quedamos un rato de sobremesa?
(Bestellen wir einen Kaffee und bleiben noch ein bisschen sitzen?)

Warte, warum rica und nicht rico?
Kodak

Weil Tom über la paella spricht, und die ist weiblich. Das Adjektiv passt sich an, so wie im Deutschen „ein leckerer Kuchen“ und „eine leckere Suppe“.

Das allein stehende ¡Qué rico! ohne Bezugswort bleibt dagegen einfach bei rico. Damit liegst du nie falsch, klar?

Okay, das ist fair. Und ehrlich gesagt ist das weniger fremd als gedacht. Das meiste kenn ich ja schon aus dem Deutschen.

Zusammenfassung: spanische Ausdrücke beim Essen

● Vorher – antojo: Tengo antojo de … / Se me antoja … = „Ich hab Heißhunger auf …“ / „Mir ist nach …“. Der Bauplan mit me = mir ist dir aus dem Deutschen vertraut
● Am Anfang – ¡Buen provecho!: provecho = Nutzen, daher inhaltlich näher an „Wohl bekomm’s“ als an „Guten Appetit“. In Spanien oft ¡Que aproveche!, in Mexiko oft ¡Provecho!
● Die Antwort: Gracias, igualmente = Danke, gleichfalls. Nicht De nada
● Währenddessen – ¡Qué rico!: = „Lecker!“. Die einzige echte Neuheit ist ser/estar: está rico (das Essen gerade) ≠ es rico (bei Personen: reich)
● Danach – la sobremesa: sobre + mesa, die Zeit, die man nach dem Essen am Tisch sitzen bleibt. Nicht verwechseln mit dem Nachtisch = el postre
● Extra: Estoy lleno/llena (satt), ¡Salud! (Prost), La cuenta, por favor (Rechnung)
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Schau mal, das Beste an diesem Thema: Du kannst es schon bei der nächsten Mahlzeit üben. Sag vor dem Essen einfach mal ¡Buen provecho! statt „Guten Appetit“, auch wenn alle am Tisch Deutsch sprechen.

Und wenn dann noch jemand „Danke, gleichfalls“ antwortet, habt ihr zusammen schon den halben Artikel geübt!

Quellen
Real Academia Española, Diccionario de la lengua española (2001): provecho、rico、antojo、antojarse、sobremesa
SpanishDict: provecho、que aproveche、rico
DWDS: Mahlzeit、bekommen
Duden: Mahlzeit
Wikipedia: Sobremesa
Speak Better Spanish: Mexican Customs That Surprise Foreigners