Wortstamm „dict“ im Englischen: die ganze Wortfamilie von lateinisch dicere auf einen Blick

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Heute lernen wir kein einzelnes Wort, sondern gleich eine ganze Wortfamilie: den Wortstamm „dict“!

Dahinter steckt das lateinische Verb dīcere („sagen, sprechen“) mit seinem Partizip dictum („gesagt“).

Merk dir einfach: Wo „dict“ drinsteckt, wird etwas gesagt. Der Rest des Wortes verrät dir nur noch, wohin gesagt wird – nach vorn, dagegen, nach außen, hin zu jemandem …

Warte mal … eine ganze Familie? Ich hab’s bisher immer so gemacht, dass ich jedes Wort einzeln auswendig gelernt hab.
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Genau das wollen wir heute abschaffen! Schau mal, was alles zu dieser einen Familie gehört:

predict, contradict, contradiction, dictionary, dictate, dictator, verdict, edict, addict, benediction, index, indicate, diction, dictum …

Das sind über ein Dutzend Vokabeln – und du brauchst dafür nur eine Grundbedeutung im Kopf, klar?

Der Wortstamm „dict“ im Englischen: Bedeutung und Grundidee

Der Wortstamm „dict“ (auch in der Form „dic“) bedeutet „sagen, sprechen, verkünden“ und stammt vom lateinischen Verb dīcere ab.

Lateinische Verben haben mehrere Stammformen. Für uns ist vor allem diese Reihe wichtig:

Die Stammformen von lateinisch dīcere

dīcō – „ich sage“
dīcere – „sagen“ (Infinitiv)
dīxī – „ich habe gesagt“
dictum – „gesagt“ (Partizip Perfekt Passiv)

⇒ Aus dieser letzten Form dictum ist der englische Wortstamm -dict- geworden.

Das ist übrigens der Grund, warum im Englischen so viele Wörter auf -dict enden und nicht auf -dic: Sie sind nicht aus dem Infinitiv gebildet, sondern aus dem Partizip. Ein englisches „dict“-Wort ist also fast immer etwas Gesagtes.

Ach so, also ist das „t“ in dict kein Zufall, sondern kommt vom Partizip „gesagt“?
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Ganz genau! Und dieses kleine Detail hilft dir später enorm, wenn wir zur Stolperfalle am Ende des Artikels kommen. Merk dir schon mal: dict- = gesagt, dicat- = geweiht/verkündet. Dazu kommen wir gleich noch ausführlich!

Gute Nachricht: Die halbe dict-Wortfamilie kennst du schon aus dem Deutschen

Bevor wir uns die englischen Wörter anschauen, machen wir einen kleinen Umweg – und zwar über deinen eigenen Wortschatz.

Denn das Lateinische hat nicht nur das Englische geprägt, sondern auch das Deutsche. Etliche Mitglieder der dict-Familie sind längst deutsche Wörter.

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Schau mal auf diese Liste – du wirst überrascht sein, wie viel du davon schon kannst:

Diktat (in der Schule mitschreiben), diktieren, Diktiergerät, Diktator, Diktatur, Diktion, Edikt, Verdikt, Benediktiner, Indiz / Indizien, Index, Widerspruch-Wörter …

Das sind alles Verwandte von dīcere, klar?

Krass. Ein Diktat in der Schule ist also wörtlich „das Gesagte“, das ich mitschreibe?
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Wörtlicher geht’s kaum! Lateinisch dictātum heißt tatsächlich „das Diktierte“, im Plural dictāta „Lektionen zum Mitschreiben“.

Und jetzt kommt der Trick: Das englische „dictate“ musst du damit gar nicht mehr neu lernen – du übersetzt einfach dein deutsches Wort ins Englische.

Damit du diese Brücke gleich systematisch nutzen kannst, hier die wichtigsten Paare nebeneinander:

Deutsch kennst du schon ⇒ Englisch fast geschenkt

Diktat / diktierendictation / to dictate („diktieren“, aber auch „vorschreiben, bestimmen“)
Diktator / Diktaturdictator / dictatorship
Edikt (z. B. das Edikt von Nantes) ⇒ edict („Erlass, Dekret“)
Verdikt (Urteilsspruch) ⇒ verdict („Urteil der Geschworenen“)
Benediktiner (Mönchsorden) ⇒ benediction („Segen, Segensspruch“)
Indiz / Indiziento indicate / indication („hinweisen / Hinweis“)
Index (Register) ⇒ index (gleiche Bedeutung)
Diktion (Ausdrucksweise) ⇒ diction (gleiche Bedeutung)

Moment, das ist ja fast die halbe Liste von vorhin! Dann muss ich eigentlich nur noch predict, contradict, addict und ein paar andere wirklich neu lernen?
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Und genau die knacken wir jetzt mit einem einzigen System. Denn auch die restlichen Wörter folgen alle demselben Bauplan!

Die Wurzel hinter allem: indogermanisch *deik- („zeigen“)

Wenn wir noch eine Etage tiefer graben, wird es richtig spannend. Lateinisch dīcere ist nämlich nicht der Anfang der Geschichte.

Dahinter steht die indogermanische Wurzel *deik- (auch *deyḱ- geschrieben) mit der Bedeutung „zeigen, hinweisen, feierlich verkünden“.

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Schau mal, das ist die eigentliche Pointe der ganzen Wortfamilie:

Ursprünglich waren „zeigen“ und „sagen“ dieselbe Geste.

Wer im alten Rom mit dem Finger auf etwas deutete und dazu die entscheidenden Worte sprach – vor Gericht, bei einer Opferhandlung, bei einer Verkündung –, der tat beides in einem Akt.

Ach so, also ist Sagen quasi Zeigen mit dem Mund?
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Perfekt formuliert, das schreib ich mir auf!

Und der beste Beweis dafür steckt in einem Wort, das du täglich benutzt: index. Im Lateinischen war index nämlich der Zeigefinger – und gleichzeitig „der Anzeiger, der Hinweisgeber“. Im Englischen heißt der Zeigefinger bis heute index finger.

Und das Register hinten im Buch heißt Index, weil es auf die Seiten zeigt!

Diese Doppelnatur „zeigen ↔ sagen“ erklärt, warum die dict-Familie so weit gestreut ist: Sie umfasst Wörter des Sprechens (dictionary, diction, dictate) genauso wie Wörter des Hinweisens (indicate, index, indication).

Übrigens ist die Wurzel *deik- auch im germanischen Erbwortschatz gelandet – unter anderem im deutschen Wort zeigen und im englischen token („Zeichen, Marke“). Diese Wörter sind also weitläufige Cousins von „predict“, auch wenn man ihnen das nicht mehr ansieht.

Das System: die dict-Wortfamilie nach Präfix sortiert

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Jetzt kommt der Teil, der dir am meisten Zeit spart. Die Regel lautet:

Präfix + dict = wohin gesagt wird

Du musst also nur noch die Präfixe kennen. Der Rest ergibt sich fast von selbst, klar?

Die dict-Wortfamilie auf einen Blick

prae- (vorher) + dict ⇒ predict = vorher sagen ⇒ vorhersagen
contra- (dagegen) + dict ⇒ contradict = dagegen sagen ⇒ widersprechen
e-/ex- (heraus) + dict ⇒ edict = herausgesagt ⇒ Erlass, Dekret
ad- (hin zu) + dict ⇒ addict = jemandem zugesprochen ⇒ Süchtiger
in- (darauf hin) + dic ⇒ indicate / index = daraufzeigen ⇒ hinweisen / Register
bene- (gut) + dict ⇒ benediction = gut sagen ⇒ Segen
ver- (wahr) + dict ⇒ verdict = wahr gesagt ⇒ Urteilsspruch
ohne Präfixdictionary, diction, dictate, dictator, dictum

Wow, so aufgeschrieben sieht das plötzlich total logisch aus. Kannst du die einzeln durchgehen? Bei „addict“ hab ich echt keine Ahnung, was Sucht mit Sagen zu tun hat.
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Das ist mein Lieblingswort in der ganzen Familie – aber der Reihe nach!

1. prae- (vorher) ⇒ predict: „vorher sagen“

predict geht auf lateinisch praedīcere zurück, zusammengesetzt aus prae- („vorher, im Voraus“) und dīcere („sagen“). Das Partizip dazu lautet praedictus – daraus wurde das englische Verb.

Die Bedeutung ist also wörtlich das, was auch das deutsche Wort sagt: vorhersagen.

[Beispiele]
・Nobody could predict the outcome of the election.
(Niemand konnte den Ausgang der Wahl vorhersagen.)
・Sales are predicted to rise by ten percent.
(Es wird vorhergesagt, dass die Umsätze um zehn Prozent steigen.)

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Ein Tipp für die Aussprache: Das englische prae- wird zu pre- und klingt wie „pri“ – also /prɪˈdɪkt/, mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Nicht wie das deutsche „Prädikat“ mit langem „ä“, klar?

2. contra- (dagegen) ⇒ contradict: „dagegen sagen“

contradict kommt von lateinisch contrādīcere („dagegen sprechen“), aus contrā („gegen“) + dīcere. Ursprünglich waren das im Lateinischen sogar zwei getrennte Wörter.

Das deutsche widersprechen ist übrigens eine wörtliche Übersetzung davon: wider = contra, sprechen = dīcere. Praktischer kann eine Vokabel kaum sein.

[Beispiele]
・Don’t contradict your teacher in front of the class.
(Widersprich deinem Lehrer nicht vor der ganzen Klasse.)
・His story contradicts the evidence.
(Seine Geschichte steht im Widerspruch zu den Beweisen.)
・There is a contradiction between what he says and what he does.
(Es gibt einen Widerspruch zwischen dem, was er sagt, und dem, was er tut.)

contra = wider, dict = sprechen. Das kann ich mir echt nicht mehr abgewöhnen zu merken.

3. e-/ex- (heraus) ⇒ edict: „nach außen verkündet“

Lateinisch ēdīcere heißt „öffentlich bekannt machen, verkünden“ – aus ex- („heraus“) + dīcere. Das Partizip ēdictum war die amtliche Bekanntmachung eines römischen Magistrats.

Genau das ist heute noch die Bedeutung von englisch edict: ein Erlass, ein Dekret, eine amtliche Anordnung von oben.

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Hier hast du wieder deinen Heimvorteil: Du kennst das Edikt von Nantes oder das Mailänder Edikt aus dem Geschichtsunterricht.

Ein Herrscher spricht etwas nach außen (ex-) hinaus, und ab dann gilt es. Das ist das ganze Wort!

[Beispiel]
・The king issued an edict banning all public gatherings.
(Der König erließ ein Edikt, das alle öffentlichen Versammlungen verbot.)

4. ad- (hin zu) ⇒ addict: vom Gerichtsurteil zur Sucht

Und jetzt das versprochene Highlight. addict geht auf lateinisch addīcere zurück: ad- („hin zu“) + dīcere – wörtlich also „jemandem etwas zusprechen“.

Das war ein Fachbegriff aus dem römischen Recht: Ein Richter sprach einen zahlungsunfähigen Schuldner seinem Gläubiger zu. Der Schuldner wurde dadurch zum addictus – zu jemandem, der einem anderen per Urteilsspruch ausgeliefert war.

Ach so, also war ein „addict“ ursprünglich gar kein Süchtiger, sondern jemand, der einem anderen gerichtlich zugesprochen war?
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Genau so war es! Und wenn du es dir bildlich vorstellst, ist der Weg zur heutigen Bedeutung ganz kurz:

Eine Sucht ist ein Zustand, in dem du einer Sache ausgeliefert bist – als hätte dich ein Urteil ihr zugesprochen.

Deshalb heißt be addicted to … heute „süchtig nach … sein“ und an addict „ein Süchtiger“.

[Beispiele]
・He is addicted to his smartphone.
(Er ist süchtig nach seinem Smartphone.)
・She’s a coffee addict.
(Sie ist kaffeesüchtig.)

Hinweis: Achte auf die Präposition – es heißt immer addicted to, nie „addicted on“.

5. in- (darauf hin) ⇒ indicate und index: „daraufzeigen“

Hier kommt die „zeigen“-Seite der Wurzel *deik- zum Vorschein.

Lateinisch index („Zeigefinger, Anzeiger, Hinweisgeber“) enthält in- („hin, darauf“) plus die Wurzel von dīcere. Vom Substantiv index wurde dann das Verb indicāre („anzeigen, hinweisen“) gebildet, dessen Partizip indicātus das englische indicate ergibt.

index – Register, Kennzahl, index finger = Zeigefinger
to indicate – hinweisen auf, anzeigen, andeuten
indication – Anzeichen, Hinweis (vgl. deutsch Indiz)
indicator – Anzeiger, Indikator, im britischen Englisch auch der Blinker am Auto

Der Blinker heißt „indicator“, weil er anzeigt, wohin man abbiegt? Das ist ja quasi der Zeigefinger vom Auto.
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Ein sehr schönes Bild – so vergisst du das Wort nie wieder!

Und wenn du im Deutschen an Indizien denkst: Das sind Dinge, die auf einen Täter hindeuten, ohne ihn direkt zu beweisen. Genau diese Nuance hat auch das englische indicate, klar?

[Beispiele]
・Recent studies indicate that sleep improves memory.
(Neuere Studien deuten darauf hin, dass Schlaf das Gedächtnis verbessert.)
・Look it up in the index at the back of the book.
(Schlag es im Register hinten im Buch nach.)

6. bene- (gut) ⇒ benediction: „gut über jemanden sprechen“

benediction kommt vom kirchenlateinischen benedictiō, gebildet aus benedīcere = bene („gut“) + dīcere („sagen“). Wer über jemanden gut spricht, der segnet ihn.

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Schau mal, wen du hier wiedererkennst: Der Name Benedikt bedeutet „der Gesegnete“ – und danach heißt der Orden der Benediktiner.

Wenn du also benediction („Segen, Segensspruch“) liest, denk einfach an die Mönche, klar?

Und gibt’s auch das Gegenteil? Also schlecht über jemanden sprechen?
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Sehr gute Frage – ja, das gibt es: malediction („Fluch, Verwünschung“), von male („schlecht“) + dīcere.

bene steckt auch in benefit und Benefiz, male in malicious („boshaft“). So knüpfst du gleich das nächste Netz!

7. ver- (wahr) ⇒ verdict: „die Wahrheit gesagt“

verdict ist ein besonders hübscher Fall, weil hier kein Präfix, sondern ein ganzes zweites Wort vorne steht.

Es kommt über das Anglonormannische veirdit aus veir („wahr“, von lateinisch vērus) + dit („Aussage“, von lateinisch dictum) – nach mittellateinisch vērēdictum, also wörtlich „das wahr Gesagte“.

Deshalb bezeichnet verdict bis heute den Spruch der Geschworenen vor Gericht: die Antwort auf die Frage, was denn nun wahr ist.

[Beispiele]
・The jury reached a verdict of not guilty.
(Die Geschworenen fällten einen Freispruch.)
・So what’s your verdict on the new restaurant?
(Und, wie lautet dein Urteil über das neue Restaurant?)

Hinweis: Der zweite Satz zeigt: Im Alltag heißt verdict auch ganz locker „Meinung, Bewertung“.

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Übrigens: Das lateinische vērus („wahr“) ist mit dem deutschen wahr verwandt. Du hast also in einem einzigen Wort zwei deutsche Anker – wahr + Diktat. So merkt man sich verdict in zehn Sekunden, klar?

8. Ohne Präfix: dictionary, dictate, dictator, diction, dictum

Die letzte Gruppe braucht gar kein Präfix – hier steht der Stamm fast pur da.

Die Gruppe ohne Präfix

dictionary – Wörterbuch
⇒ von mittellateinisch dictiōnārium, zu lateinisch dictiō („Rede, Ausdruck, Wort“). Wörtlich also: eine Sammlung von Wörtern.

diction – Ausdrucksweise, Wortwahl, Artikulation (vgl. deutsch Diktion)

to dictate – diktieren; vorschreiben, bestimmen
⇒ von dictāre, dem Intensivum/Frequentativum von dīcere: „immer wieder sagen, laut zum Mitschreiben sprechen“.

dictator – Diktator
⇒ ursprünglich ein außerordentliches römisches Amt: der Mann, dessen Wort in der Krise galt.

dictum – Ausspruch, Diktum (bleibt im Englischen unverändert lateinisch)

Bei „dictate“ steht als zweite Bedeutung „vorschreiben“. Wie hängt das mit dem Diktat zusammen?
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Ganz einfach: Stell dir vor, jemand spricht dir etwas vor, und du musst es genau so aufschreiben. Du hast keine Wahl, kein eigenes Wort.

Von da ist es nur ein winziger Schritt zu „bestimmen, vorschreiben“ – bei Menschen wie bei Umständen:

The weather dictated our plans.(Das Wetter bestimmte unsere Pläne.)

Und wenn ein Mensch das dauerhaft mit einem ganzen Land macht, ist er ein dictator. Die Bedeutungskette ist lückenlos, oder?

Diktat, diktieren, Diktator – das war für mich immer Zufall, dass die so ähnlich klingen. Dabei ist es dieselbe Idee in drei Größen.

Ein netter Fakt am Rande: Das Wort dictionary taucht im Englischen erstmals 1526 auf. Der lateinische Vorläufer dictionārius war ein Lehrbuch, das ein im 13. Jahrhundert in England geborener Universitätslehrer namens Johannes de Garlandia zusammengestellt hatte. Das Wörterbuch, das du zum Englischlernen benutzt, trägt seinen Namen also aus dem Mittelalter.

Die Stolperfalle: dīcere oder dicāre? Warum „dedicate“ eine Sonderrolle spielt

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So, jetzt kommt der Teil, den fast alle Übersichten im Netz falsch machen – und mit dem du danach mehr weißt als so manche Quelle!

Im Lateinischen gibt es nämlich zwei ähnliche Verben, die aus derselben Urwurzel stammen, aber verschiedene Wege gegangen sind.

Zwei Verben, ein Ursprung – zwei Wortfamilien

① dīcere (3. Konjugation), Partizip dictum
⇒ Bedeutung: „sagen, sprechen“
⇒ englische Kinder: predict, contradict, edict, addict, verdict, benediction, dictionary, dictate, diction

② dicāre (1. Konjugation), Partizip dicātum
⇒ Bedeutung: „feierlich verkünden, weihen, widmen“
⇒ englische Kinder: dedicate, dedication, abdicate, predicate
⇒ deutsche Kinder: Dedikation, predigen / Predigt, Prädikat

Moment mal – predigen gehört gar nicht zu predict? Die sehen doch fast gleich aus!
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Genau darin liegt die Falle, und du hast sie sofort gerochen!

predictpraedīcere ⇒ Partizip praedictus = „vorher gesagt
predigen / preachpraedicāre ⇒ Partizip praedicatum = „öffentlich ausgerufen

Zwei verschiedene Verben, zwei verschiedene Partizipien – und deshalb zwei verschiedene Wörter im heutigen Englisch und Deutsch.

Ach so, also ist Prädikat auch auf der Predigt-Seite und nicht auf der predict-Seite?
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Vollkommen richtig! Das Prädikat im Satz geht auf spätlateinisch praedicātum zurück, „das vom Subjekt Ausgesagte“ – also auf praedicāre. Deshalb heißt es im Englischen auch predicate mit -cate und nicht predict.

Und genau deshalb schreibt sich das Adjektiv „vorhersagbar“ predictable, aber das grammatische „prädikativ“ predicative. Ein einziger Buchstabe – zwei Familien!

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Eine wichtige Warnung noch, damit du nichts Falsches abschreibst:

Manche Etymologie-Seiten im Netz geben als Ursprung von predict die Form „praedicatus“ an. Das ist ein Fehler.

praedicatus gehört zu praedicāre (predigen), nicht zu praedicere. Merriam-Webster, das Oxford Advanced Learner’s Dictionary und Wiktionary nennen einhellig praedictus, klar?

Gut zu wissen. Und wie merk ich mir, welches Wort auf welcher Seite steht?
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Ganz mechanisch am Schriftbild, das ist das Schöne daran:

Steht im Wort -dict- ⇒ Familie „sagen“ (dīcere)
Steht im Wort -dicat- ⇒ Familie „weihen, verkünden“ (dicāre)

predict – sagen. dedicate – weihen. abdicate – abdanken. Das funktioniert fast immer!

Zwei nützliche Vokabeln aus der zweiten Familie, die dir im Englischen oft begegnen:

[dicāre-Familie im Alltag]
・She dedicated her life to helping refugees.
(Sie widmete ihr Leben der Hilfe für Geflüchtete.)
・The album is dedicated to his late mother.
(Das Album ist seiner verstorbenen Mutter gewidmet.)
・The king abdicated in 1936.
(Der König dankte 1936 ab. – wörtlich: er sagte sich das Amt „weg“, ab- + dicāre)

Also gehören dedicate und predict zwar zum selben Urgroßvater *deik-, aber zu verschiedenen Zweigen. So hab ich’s verstanden.
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Perfekt zusammengefasst – so und nicht anders ist es!

Drei Wörter der dict-Familie im Detail

Wenn du die Übersicht jetzt im Kopf hast, lohnt es sich, bei den drei wichtigsten Vertretern noch einmal genauer hinzuschauen – bei Aussprache, Satzbau und den typischen Kollokationen.

predict – Bedeutung, Aussprache und Verwendung
Das Musterbeispiel der Familie: prae- („vorher“) + dict („gesagt“). Hier erfährst du auch, welche Satzmuster nach predict stehen und wie es sich von forecast und foresee unterscheidet.

indicate – Bedeutung, Aussprache und Verwendung
Der Vertreter der „zeigen“-Seite. Warum indicate eher „hindeuten auf“ als „beweisen“ heißt und wie du es in Aufsätzen und Präsentationen richtig einsetzt.

contradiction – Bedeutung, Aussprache und Verwendung
Das Substantiv zu contradict: „Widerspruch“. Inklusive der wichtigen Wendung a contradiction in terms und der Abgrenzung zu conflict und inconsistency.

Kurztest: Sitzt der Wortstamm dict?

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Zum Schluss ein kleiner Selbsttest! Überleg dir bei jedem Wort erst das Präfix, dann die wörtliche Bedeutung – und erst danach die deutsche Übersetzung, klar?

Was heißt das Wort wörtlich, was heißt es heute?

an unpredictable result
a self-contradictory statement
The evidence indicates that …
He was addicted to gambling.
The court delivered its verdict.

[Lösungen]

① un- (nicht) + prae- (vorher) + dict (gesagt) + -able (könnend)
⇒ „nicht vorhersagbar“ ⇒ ein unvorhersehbares Ergebnis

② self- (selbst) + contra- (dagegen) + dict (gesagt)
⇒ „sich selbst widersprechend“ ⇒ eine widersprüchliche Aussage

③ in- (darauf) + dic (zeigen)
⇒ „die Beweise zeigen darauf hin“ ⇒ Die Beweislage deutet darauf hin, dass …

④ ad- (hin zu) + dict (gesagt)
⇒ „dem Glücksspiel zugesprochen“ ⇒ Er war spielsüchtig.

⑤ vēr- (wahr) + dict (gesagt)
⇒ „das wahr Gesagte“ ⇒ Das Gericht verkündete sein Urteil.

Das hat echt funktioniert! Ich hab bei ④ zuerst nicht gewusst, was addict heißt, aber über „hin zu + gesagt“ bin ich draufgekommen.
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Genau darum geht es beim Lernen mit Wortstämmen! Du musst nicht jedes Wort kennen – du musst es nur zerlegen können.

Und mit dict hast du einen der ertragreichsten Stämme überhaupt im Gepäck.

Zusammenfassung: der Wortstamm dict im Englischen

● Der Wortstamm dict kommt von lateinisch dīcere („sagen“), Partizip dictum („gesagt“)
⇒ Kernbild: Wo „dict“ steht, wird etwas gesagt – das Präfix verrät, wohin

● Dahinter steht die indogermanische Wurzel *deik- („zeigen, feierlich verkünden“)
⇒ deshalb gehören auch die „zeigen“-Wörter index / indicate / indicator dazu

● Nach Präfix sortiert: predict (vorher) ・ contradict (dagegen) ・ edict (heraus) ・ addict (hin zu) ・ benediction (gut) ・ verdict (wahr)

● Als deutscher Muttersprachler kennst du die halbe Familie schon: Diktat, diktieren, Diktator, Edikt, Verdikt, Benediktiner, Indiz, Index, Diktion

● Stolperfalle: -dict- = dīcere („sagen“), aber -dicat- = dicāre („weihen, verkünden“)
dedicate, abdicate, predicate sowie deutsch predigen, Predigt, Prädikat gehören zur zweiten Familie
predict stammt von praedictus (nicht von praedicatus!)

Kodak

Das war’s für heute! Nimm dir als Nächstes eines der drei Detailwörter oben vor – predict, indicate oder contradiction – und schau dir an, wie es im echten Satz funktioniert.

Wenn du den Stamm einmal siehst, siehst du ihn überall!

Quellen
Merriam-Webster Dictionary(https://www.merriam-webster.com/)– Einträge zu predict, dedicate, dictate, dictionary, verdict
Oxford Advanced Learner’s Dictionary(https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/)– Eintrag „predict“, Word Origin
Wiktionary(https://en.wiktionary.org/)– Einträge zu dīcō/dicō, praedīcō/praedicō, dēdicō, index, indicate, addict, edict, benediction, contradict
DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache(https://www.dwds.de/)– Einträge zu Diktat, diktieren, Diktator, predigen, Prädikat