Heute schauen wir uns das mexikanische Slangwort „chido“ an!
Die Kurzfassung vorweg: chido = „cool“, „geil“, „krass“. Es ist ein ganz normales Adjektiv, es ist nicht vulgär – und es ist so mexikanisch, dass du damit in Madrid oder Buenos Aires nur verwirrte Blicke erntest.
Also so was wie „cool“? Klingt easy. Aber wieso gibt’s dann noch padre, chévere und bacán? Das hab ich alles schon gehört.
Gute Frage – und genau das ist der spannende Teil! Denk an Brötchen / Semmel / Weggli: dieselbe Sache, drei Wörter, je nachdem ob du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz stehst. Im Spanischen ist es genauso, nur mit zwanzig Ländern statt drei.
Wir gehen das der Reihe nach durch, klar?
- 1 chido – Bedeutung: „cool“, „geil“, „krass“
- 2 „qué chido“ – Bedeutung und Gebrauch der wichtigsten Wendung
- 3 chido oder padre? Der Unterschied, den kaum jemand erklärt
- 4 Mexikanisch für „cool“: chido, padre, chévere, bacán – die Landkarte
- 5 Woher kommt chido? Was über die Herkunft wirklich belegt ist
- 6 Wann kannst du chido sagen – und wann besser nicht?
- 7 chido – Bedeutung und Gebrauch: die Zusammenfassung
chido – Bedeutung: „cool“, „geil“, „krass“
chido (Aussprache: [ˈtʃi.ðo] / „TSCHI-do“, Adjektiv, feminin chida) ist ein umgangssprachliches Adjektiv aus Mexiko und bedeutet „schön“, „hübsch“ sowie „sehr gut“, „super“.
Die Real Academia Española führt das Wort mit genau zwei Bedeutungen und der Regionalmarkierung Méx. (Mexiko):
chido, da
1. adj. coloq. Méx. bonito (‖ lindo).
2. adj. coloq. Méx. Muy bueno.Deutsche Übersetzung: 1. Adjektiv, umgangssprachlich, Mexiko: „hübsch, schön“. 2. Adjektiv, umgangssprachlich, Mexiko: „sehr gut“.
※Quelle: Diccionario de la lengua española (RAE-ASALE), Eintrag „chido, da“
Das Diccionario del Español de México (DEM) des Colegio de México fasst beide Lesarten in einer Definition zusammen und ergänzt noch eine dritte Facette – apreciable, also „schätzenswert, sympathisch“:
chido adj (Popular) Que es bueno, bonito o apreciable: „una casa bien chida“, „¡Qué chido que les hayamos ganado!“
Deutsche Übersetzung: Adjektiv (Umgangssprache): „was gut, hübsch oder schätzenswert ist“. Beispiele: „ein echt schönes Haus“, „Wie geil, dass wir gegen sie gewonnen haben!“
※Quelle: Diccionario del Español de México, El Colegio de México, Eintrag „chido“
Schau mal auf die Wörterbuch-Etiketten: da steht coloq. beziehungsweise Popular – aber nirgends malsonante („anstößig“) oder vulg.
Das ist wichtig! chido ist locker, aber sauber. Du kannst es vor deiner mexikanischen Gastfamilie sagen, ohne dass jemand die Augenbraue hochzieht.
Ach so, also ist das eher wie unser „cool“ und nicht wie ein Fluchwort. Das beruhigt mich.
Welche deutsche Übersetzung passt am besten?
Im Deutschen hast du drei naheliegende Kandidaten – und sie treffen jeweils eine andere Nuance:
chido auf Deutsch – drei Übersetzungen, drei Nuancen
cool ⇒ die neutralste und sicherste Wahl. Passt auf Dinge, Pläne, Menschen. „Dein Zimmer ist echt cool.“
geil ⇒ trifft die Begeisterung am besten, ist aber im Deutschen deutlich saloppen und hat einen Beiklang, den chido im Spanischen nicht hat. Nur unter Freunden.
krass ⇒ passt, wenn etwas beeindruckend ist. Achtung: „krass“ kann im Deutschen auch negativ sein („krass schlecht“), chido ist immer positiv.
Wenn du unsicher bist, nimm im Kopf einfach „cool“. Damit liegst du bei chido in 90 % der Fälle richtig.
Und merk dir den kleinen Unterschied zu „krass“: chido hat keine negative Variante. Ein „chido“ ist nie schlimm, immer schön.
Aussprache: „TSCHI-do“ – und warum manche „shido“ schreiben
Das spanische ch wird wie das deutsche tsch in „tschüs“ oder „Deutschland“ gesprochen. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe: CHI-do.
Das d zwischen zwei Vokalen ist im Spanischen sehr weich – eher wie das englische th in „this“ als wie ein deutsches d. „TSCHI-tho“ kommt der Sache näher als „TSCHI-do“.
Im Diccionario de americanismos der ASALE ist übrigens ausdrücklich eine zweite Schreibung vermerkt: (shido). In Teilen Mexikos – und vor allem im Chatslang – wird das ch zu einem „sch“ abgeschwächt, und das schlägt sich dann in der Schreibung nieder.
Warte, shido steht wirklich so im Wörterbuch? Dachte, das wär nur so eine WhatsApp-Schreibweise.
Doch, das steht tatsächlich drin – die Akademien haben die Variante mit aufgenommen. Du solltest sie aber nur lesen können, nicht selbst schreiben. Als Lernender bleibst du bei chido, klar?
Die Grammatik: chido richtet sich nach dem Substantiv
chido ist ein ganz gewöhnliches Adjektiv auf -o und wird nach Geschlecht und Zahl angeglichen. Da gibt es keine Überraschungen:
・maskulin Singular: chido – un coche chido (ein cooles Auto)
・feminin Singular: chida – una casa chida (ein schönes Haus)
・maskulin Plural: chidos – unos zapatos chidos (coole Schuhe)
・feminin Plural: chidas – unas fotos chidas (coole Fotos)
Wichtig ist noch die Wahl zwischen ser und estar – ein Klassiker, an dem deutschsprachige Lernende gern hängenbleiben, weil wir für beides nur „sein“ haben:
ser chido oder estar chido?
【estar chido – der Normalfall】
・Está bien chido tu depa.
(Deine Wohnung ist echt cool.)
・La fiesta estuvo chida.
(Die Party war super.)
⇒ Du bewertest, wie etwas auf dich wirkt. Das ist die mit Abstand häufigste Variante.【ser chido – bei Personen und Wesenszügen】
・Mi jefe es muy chido.
(Mein Chef ist echt in Ordnung.)
・Es un chavo bien chido.
(Das ist ein richtig netter Typ.)
⇒ Hier geht es um eine dauerhafte Eigenschaft. Bei Menschen rutscht die Bedeutung dann Richtung „nett, umgänglich, in Ordnung“ – das ist das apreciable aus dem DEM.
Faustregel: Sachen und Erlebnisse „estar chido“, Menschen „ser chido“.
Und ist dir das bien in „bien chido“ aufgefallen? Das steht sogar so als Beispiel im DEM. Dazu gleich mehr!
Steigern: bien chido, chidísimo, chidote
Mexikanisches Spanisch liebt Verstärkungen. Bei chido hast du drei gängige Stufen:
- bien chido – „echt cool“. Die häufigste und natürlichste Verstärkung; das DEM führt „una casa bien chida“ als Musterbeispiel. Statt muy nimmt man im mexikanischen Alltag sehr gern bien.
- chidísimo – „mega cool“. Die reguläre Superlativendung -ísimo, die im Spanischen an fast jedes Adjektiv passt.
- chidote – „richtig fett cool“. Das mexikanische Vergrößerungssuffix -ote, sehr salopp und sehr mündlich.
Interessant, dass man bien statt muy nimmt. Im Schulbuch hab’s ich immer nur mit muy gelernt.
Genau das ist der Punkt, an dem man Lehrbuchspanisch von echtem mexikanischem Spanisch unterscheidet! muy chido ist nicht falsch – aber bien chido klingt einheimischer.
„qué chido“ – Bedeutung und Gebrauch der wichtigsten Wendung
Wenn du dir nur eine Wendung mit chido merkst, dann diese: ¡Qué chido!
Wörtlich heißt das „Wie cool!“, und genau so benutzt man es auch – als spontane Reaktion auf eine gute Nachricht. Es ist das mexikanische Gegenstück zu unserem „Wie geil!“, „Stark!“ oder „Nice!“.
¡Qué chido!
⇒ „Wie cool!“ / „Stark!“ / „Nice!“ – die spontane Begeisterungsreaktion
Variante 1: ¡Qué chido! als Ein-Wort-Reaktion
【Beispieldialoge】
・— Me dieron el trabajo. — ¡Qué chido, felicidades!
(— Ich hab den Job bekommen. — Wie geil, herzlichen Glückwunsch!)・— El sábado vamos a la playa. — ¡Ah, qué chido!
(— Am Samstag fahren wir an den Strand. — Ah, wie cool!)
Variante 2: ¡Qué chido + Substantiv!
Genau wie bei ¡Qué bonito! kannst du direkt ein Substantiv anhängen. Beachte: Das Adjektiv passt sich dem Substantiv an.
【Beispiele】
・¡Qué chida tu playera!
(Voll cool, dein T-Shirt!)
・¡Qué chidos tus tenis!
(Krasse Sneaker!)
Variante 3: ¡Qué chido que + Subjuntivo!
Und jetzt kommt der Teil, der für deutschsprachige Lernende wirklich wichtig ist. Willst du einen ganzen Satz anhängen, brauchst du que + Subjuntivo. Das ist keine Slang-Eigenheit, sondern die reguläre spanische Grammatik hinter allen Bewertungsausdrücken.
Genau diese Konstruktion steht als Beispielsatz im DEM:
¡Qué chido que les hayamos ganado!
(Wie geil, dass wir gegen sie gewonnen haben!)※ hayamos ist Subjuntivo Perfekt von haber – nicht hemos!
※Quelle: Diccionario del Español de México, Eintrag „chido“
Merk dir die Regel dahinter, dann kannst du sie überall wiederverwenden: Nach einem Ausdruck der Bewertung oder des Gefühls steht im Nebensatz der Subjuntivo.
Qué chido que vengas (Wie cool, dass du kommst) – Me alegra que vengas – Qué bueno que vengas. Immer dasselbe Muster!
Ach so, also ist das Slangwort quasi nur die Verkleidung, und drunter steckt ganz normale Grammatik?
Ganz genau! Deshalb lohnt es sich so, Slang mit dem Grammatikblick anzuschauen. Du lernst nie nur ein Wort, sondern immer gleich ein Muster mit.
Variante 4: ¡Chido! ganz allein
Sehr oft hörst du auch nur „¡Chido!“ als knappe Antwort. Das ist eine Ellipse – gemeint ist eigentlich „[Está] chido“, also „[Das ist] cool“. Auf Deutsch entspricht das ungefähr „Passt!“ oder „Alles klar!“.
【Beispiel】
・— Nos vemos a las ocho en el metro. — ¡Chido!
(— Wir treffen uns um acht an der U-Bahn. — Passt!)
chido oder padre? Der Unterschied, den kaum jemand erklärt
Jetzt die Frage, die mich am meisten umtreibt: Meine mexikanische Freundin sagt eigentlich immer qué padre, fast nie qué chido. Ist das dasselbe oder nicht?
Sehr gut beobachtet – und nein, ganz dasselbe ist es nicht! Die Bedeutung ist quasi identisch, aber das Register ist unterschiedlich. Und das kannst du sogar in den Wörterbüchern nachschlagen, wenn du weißt, worauf du achten musst.
padre heißt eigentlich „Vater“, funktioniert in Mexiko aber genauso als Adjektiv für „super, toll“. Die RAE führt das ausdrücklich als eigene Bedeutung: adj. coloq. Méx. estupendo (‖ muy bueno). Das DEM notiert dazu Beispiele wie „¡Qué padre casa!“ und „Esa película está padre“.
Der entscheidende Hinweis steckt aber in den Registermarkierungen des Diccionario de americanismos. Dort sind beide Wörter unterschiedlich etikettiert:
Was die Akademien wirklich schreiben
chido, -a. adj. Mx. Bonito, lindo. pop.
⇒ Markierung: nur popular – also volkstümliche, saloppe Umgangssprache.
padre. adj. Mx. Bonito, bueno, estupendo. pop + cult → espon.
⇒ Markierung: popular und gebildete Sprache, in spontaner Rede.
※Quelle: Diccionario de americanismos (ASALE), „chido“ / „padre“
Übersetzt heißt das: padre benutzen alle, chido benutzt die Straße.
padre hört man von der Uni-Professorin genauso wie vom Taxifahrer. chido ist stärker jugendlich und städtisch gefärbt – deshalb sagt deine Freundin wahrscheinlich lieber qué padre.
Ein zweiter, ganz praktischer Unterschied: padre kann Adverb sein
Das Diccionario de americanismos führt für padre zusätzlich eine Adverbbedeutung („muy bien“, also „sehr gut“), für chido hingegen nicht. Das merkst du sofort in Sätzen wie diesem:
【padre als Adverb】
・La pasamos muy padre en Oaxaca.
(Wir hatten es richtig schön in Oaxaca.)
・Nos fue padre en el examen.
(Die Prüfung lief super für uns.)⇒ Hier steht padre nicht bei einem Substantiv, sondern beschreibt das Verb. Wenn du unsicher bist, nimm für diesen Fall padre.
Okay, das ist echt hilfreich. Also: im Zweifel padre, und chido, wenn ich lockerer klingen will?
Perfekt zusammengefasst! Und noch ein Bonus: padre hat mit padrísimo eine Superlativform, die so verbreitet ist, dass sie als eigener Wörterbucheintrag geführt wird. „Estuvo padrísimo“ – das hörst du in Mexiko ständig.
Mexikanisch für „cool“: chido, padre, chévere, bacán – die Landkarte
Jetzt zum großen Bild. „Cool“ ist im Spanischen ein Paradebeispiel für regionale Lexik: Es gibt kein einziges panhispanisches Wort dafür, sondern in jeder Region ein anderes.
Für uns im deutschsprachigen Raum ist das eigentlich vertrautes Terrain:
・Brötchen (DE) – Semmel (AT) – Weggli / Brötli (CH)
・Sahne (DE) – Obers (AT) – Rahm (CH)
・Tüte (DE) – Sackerl (AT) – Säckli (CH)
・Januar (DE/CH) – Jänner (AT)
Niemand von uns würde sagen, „Semmel“ sei falsches Deutsch. Es ist einfach anderswo zu Hause. Genau so verhält sich chido zu chévere und bacán.
Und jetzt kommt das Beste: Die Akademien tragen bei jedem dieser Wörter genau ein, in welchen Ländern es gilt. Wir müssen also nicht raten – wir können nachschlagen!
Die vier großen „cool“-Wörter und ihre Verbreitung
Wo sagt man was? (Regionalmarkierungen der RAE)
chido ⇒ nur Mexiko (RAE: Méx.)
padre ⇒ nur Mexiko (RAE: Méx.) – aber breiteres Register als chido
chévere ⇒ der große Rest: Antillen, Bolivien, Kolumbien, El Salvador, Honduras, Panama, Peru, Venezuela – und in der Bedeutung „hübsch, nett“ ausdrücklich auch Mexiko und Ecuador
bacán ⇒ Chile, Kolumbien, Kuba, Dominikanische Republik – laut RAE ausdrücklich „en lenguaje juvenil“, also Jugendsprache
guay ⇒ nur Spanien (RAE: Esp.)
Moment – chévere steht bei Mexiko mit dabei? Dachte, das wär rein karibisch.
Guter Blick! Die RAE nennt Mexiko tatsächlich – aber nur bei der Bedeutung „hübsch, nett, elegant“ und bei der Adverbbedeutung, nicht bei „großartig“.
Praktisch heißt das: In Mexiko wird chévere verstanden, aber im Alltag greift man zu chido oder padre. Verstehen und selbst benutzen sind eben zwei verschiedene Dinge – ganz wie ein Berliner „Semmel“ versteht und trotzdem „Brötchen“ sagt.
Und was benutzt du als Lernender?
Eine ganz pragmatische Empfehlung:
- Du lernst mexikanisches Spanisch oder reist nach Mexiko? ⇒ chido und padre, beide.
- Du weißt noch nicht, mit wem du sprechen wirst? ⇒ chévere ist von allen vieren das am weitesten verbreitete und wird fast überall zumindest verstanden.
- Du willst gar nichts falsch machen? ⇒ genial oder increíble funktionieren im gesamten spanischsprachigen Raum, klingen nur etwas weniger locker.
Wenn du dich für das mexikanische Feld insgesamt interessierst, findest du die anderen Bausteine hier gesammelt: Mexikanischer Slang – die wichtigsten Wörter im Überblick. Dort ordnen wir chido zusammen mit den übrigen Alltagsausdrücken ein.
Woher kommt chido? Was über die Herkunft wirklich belegt ist
Und die Etymologie? Bei anderen Wörtern hast du immer so eine schöne Herleitung parat.
Diesmal muss ich dich ein bisschen enttäuschen – und das ist selbst schon die interessante Information!
Bei chido gibt die RAE überhaupt keine Etymologie an. Kein „Del latín…“, kein „Del caló…“, gar nichts.
Das ist bemerkenswert, wenn man die Nachbareinträge daneben legt. Die RAE ist bei Etymologien nämlich durchaus auskunftsfreudig – wenn sie etwas weiß:
Drei Wörter, drei Auskünfte zur Herkunft
bacán ⇒ „Del genovés baccan ‚patrón‘.“
(Aus dem Genuesischen baccan, „Herr, Kapitän“ – eine klare, belegte Herleitung.)
chévere ⇒ „Etim. disc.“
(Abkürzung für etimología discutida – „Herkunft umstritten“. Die RAE sagt also ausdrücklich: wir wissen es nicht sicher.)
chido ⇒ keine Angabe
(Nicht einmal ein „umstritten“. Das Feld bleibt schlicht leer.)
Auch das Diccionario de americanismos und das Diccionario del Español de México verzeichnen bei chido keine Herkunftsangabe. Wir haben es also mit einem Wort zu tun, dessen Ursprung lexikografisch schlicht nicht geklärt ist.
Im Netz kursieren trotzdem allerlei Erklärungen – vom Romani-Wortschatz über asturische Dialektwörter bis zu allerhand anderen Geschichten.
Mein Rat: Behandle die als Anekdoten, nicht als Fakten. Keine davon ist in einem Akademiewörterbuch bestätigt, und genau deshalb steht dort eben nichts.
Ehrlich gesagt find ich’s fast sympathisch, dass mal jemand sagt „wissen wir nicht“ statt sich was zusammenzureimen.
Sehe ich genauso! Und für dich als Lernenden ändert es ohnehin nichts: chido ist ein modernes Umgangswort, du benutzt es nach Gefühl und nicht nach Stammbaum.
Wann kannst du chido sagen – und wann besser nicht?
Weil chido nicht anstößig, aber deutlich umgangssprachlich ist, liegt die Grenze nicht bei „höflich vs. unhöflich“, sondern bei „gesprochen vs. geschrieben“ und „privat vs. offiziell“.
Grün – problemlos
Unter Freunden, in WhatsApp-Nachrichten, mit Kommilitonen, mit der Gastfamilie, im lockeren Small Talk, in sozialen Medien.
Gelb – geht, aber überleg kurz
Mit deutlich älteren Menschen, die du noch nicht kennst. Mit Kollegen im Büro geht es meist – aber hör erst zu, wie die anderen reden. Mit padre liegst du hier sicherer.
Rot – lieber lassen
In Bewerbungen, E-Mails an Behörden, Uni-Hausarbeiten, Vorstellungsgesprächen und in jedem geschriebenen Text, der nach Sorgfalt aussehen soll. Und: außerhalb Mexikos – dort versteht dich schlicht kaum jemand.
Das Schöne an chido ist: Es ist mit Abstand eines der ungefährlichsten Wörter im mexikanischen Slang.
Bei manchen anderen bekannten Ausdrücken – etwa no mames oder no manches – musst du sehr genau auf Gesellschaft und Situation achten. Bei chido ist das schlimmste Risiko, dass du eine Spur zu jugendlich klingst.
Also ein gutes Einsteigerwort. Gibt’s noch was, das ich direkt dazu lernen sollte?
Unbedingt – nämlich das Wort, mit dem chido im Alltag am häufigsten zusammen auftritt!
Die Kombination, die du ständig hören wirst: ¡Órale, qué chido!
chido steht selten allein. In der gesprochenen Sprache klebt sehr oft ein Ausruf davor, der die Überraschung transportiert:
【Typische Kombinationen】
・¡Órale, qué chido!
(Wow, wie geil!)
・¡Ay, qué chido!
(Ach, wie schön!)
・¡Está bien chido, güey!
(Das ist echt krass, Alter!)
Vor allem órale ist eine echte Allzweckwaffe des mexikanischen Spanisch – es kann Überraschung, Zustimmung und Aufforderung ausdrücken. Wie das genau funktioniert, haben wir hier auseinandergenommen: órale – Bedeutung und Gebrauch.
Wenn du órale und chido zusammen draufhast, klingst du sofort ein gutes Stück mexikanischer. Die beiden sind wie ein Paar.
Welches Wort für „cool“ passt zu dir? Der 2-Fragen-Check
Es gibt kein panhispanisches Wort für „cool“ – jede Region hat ihr eigenes. Zwei Fragen zeigen dir, welches an deinen Ort und deine Situation passt.
Hier stehen chido und padre zur Wahl
Laut RAE das am breitesten verzeichnete Wort dieser Länder
RAE: ausdrücklich Jugendsprache in diesen Ländern
Das spanische Äquivalent – in Mexiko kaum gebräuchlich
Markierung nur popular – salopp, aber nicht anstößig
Breiteres Register (auch gebildete Sprache) und als Adverb nutzbar: la pasamos muy padre
※ Merkregel: chido ist immer positiv, nie negativ – anders als deutsches „krass“. Sachen und Erlebnisse: estar chido. Menschen und Wesenszüge: ser chido.
chido – Bedeutung und Gebrauch: die Zusammenfassung
Hier noch einmal alles Wichtige kompakt:
●chido = umgangssprachliches Adjektiv aus Mexiko für „schön, hübsch“ und „sehr gut“
⇒ deutsche Entsprechung: cool / geil / krass – immer positiv, nie negativ
⇒ nicht vulgär, nur salopp: die Wörterbücher markieren coloq. bzw. popular
●Formen: chido / chida / chidos / chidas – Verstärkung mit bien chido, chidísimo, chidote
●¡Qué chido! = „Wie cool!“ ⇒ mit ganzem Nebensatz immer que + Subjuntivo: ¡Qué chido que vengas!
●chido oder padre? ⇒ Bedeutung fast gleich, aber padre hat das breitere Register (auch gebildete Sprache) und kann zusätzlich als Adverb stehen: La pasamos muy padre.
●Regional: chido/padre = Mexiko, chévere = Karibik/Kolumbien/Venezuela u. a., bacán = Chile/Kuba u. a., guay = Spanien
●Herkunft: von den Akademiewörterbüchern nicht angegeben – kursierende Erklärungen sind unbelegt
Auf dieser Seite erklären wir spanische Ausdrücke genau so: Bedeutung, Grammatik dahinter, regionale Verbreitung – und Wörterbuchbelege statt Bauchgefühl.
Mit chido hast du jetzt eines der freundlichsten Wörter des mexikanischen Spanisch im Gepäck. Probier es beim nächsten Gespräch einfach aus, klar?
Quellen
Real Academia Española / ASALE, Diccionario de la lengua española, Einträge „chido, da“, „padre“, „chévere“, „bacán, na“, „guay“(https://dle.rae.es/chido)
Asociación de Academias de la Lengua Española, Diccionario de americanismos (2010), Einträge „chido, -a“ und „padre“(https://www.asale.org/damer/chido)
El Colegio de México, Diccionario del Español de México, Einträge „chido“ und „padre“(https://dem.colmex.mx/ver/chido)