Überleg mal, was du im Deutschen alles zur Auswahl hast: tschüss, bis später, bis bald, mach’s gut. Vier Formeln für dieselbe Situation, und du triffst die Wahl jeden Tag in einer Zehntelsekunde, ohne darüber nachzudenken.
Im Spanischen gibt es genau dieselben vier Schubladen. Du musst also kein neues Gefühl entwickeln – du musst nur vier Vokabeln einsortieren, klar?
- 1 Sich auf Spanisch verabschieden: vier Ausdrücke, vier deutsche Schubladen
- 2 Der eine Haken: „hasta luego“ ist nicht „bis später“
- 3 1. „Hasta luego“ – dein spanisches Standard-Tschüss
- 4 2. „Nos vemos“ – wenn das Wiedersehen wirklich gemeint ist
- 5 3. „Cuídate“ – das spanische „mach’s gut“
- 6 4. „Ahí nos vidrios“ – der Spaßabschied aus Mexiko
- 7 Und was ist mit „adiós“? Das Wort aus dem Schulbuch passt seltener, als du denkst
- 8 In drei Sekunden zum richtigen Abschied
- 9 Vier deutsche Reflexe, die dich beim Abschied verraten
- 10 Was antwortest du, wenn dich jemand verabschiedet?
- 11 Abschied auf Spanisch – die Zusammenfassung
Sich auf Spanisch verabschieden: vier Ausdrücke, vier deutsche Schubladen
Die vier Verabschiedungen, mit denen du im Spanischen praktisch jede Alltagssituation abdeckst, sind „hasta luego“, „nos vemos“, „cuídate“ und – als lockerster Fall – „ahí nos vidrios“.
Sie unterscheiden sich nicht nach Höflichkeitsstufe, sondern nach etwas anderem: danach, was du der anderen Person über das Wiedersehen versprichst – und wie viel Wärme du mitschickst. Das ist im Deutschen ganz genauso, nur fällt es uns nicht auf, weil wir es nie erklärt bekommen haben.
Die vier spanischen Verabschiedungen und ihre deutschen Gegenstücke
●hasta luego (gesprochen: ASS-ta LUE-go) – wörtlich „bis später“
⇒ im Gebrauch: „tschüss“. Der neutrale Standardabschied, für alle und jeden
●nos vemos (gesprochen: noss BE-moss) – wörtlich „wir sehen uns“
⇒ im Gebrauch: „bis später“ / „bis bald“. Hier ist ein Wiedersehen wirklich gemeint
●cuídate (gesprochen: KUI-da-te) – wörtlich „pass auf dich auf“
⇒ im Gebrauch: „mach’s gut“. Warm, persönlich, mit einem Schuss Fürsorge
●ahí nos vidrios (gesprochen: a-I noss BI-drioss) – wörtlich „da uns Glasscheiben“ (!)
⇒ im Gebrauch: „tschüssikowski“. Ein Kalauer-Abschied unter Freunden, vor allem in Mexiko
Einen gibt es, und er ist ausgerechnet beim häufigsten Ausdruck versteckt.
Drei von den vier kannst du wirklich eins zu eins übertragen. Bei hasta luego aber führt dich die wörtliche Übersetzung in die Irre – und zwar so systematisch, dass ich dem gleich einen eigenen Abschnitt widme.
Der eine Haken: „hasta luego“ ist nicht „bis später“
Rechne kurz nach: hasta heißt „bis“, luego heißt „später“. Wort für Wort ergibt das „bis später“. Sauberer kann eine Übersetzung nicht sein – und trotzdem ist sie im Alltag falsch.
Der Grund liegt nicht im Spanischen, sondern im Deutschen. Unser „bis später“ ist ein Versprechen. Du sagst es nur, wenn ihr euch tatsächlich noch einmal seht, meistens sogar am selben Tag. Zur Verkäuferin an der Kasse, die du nie wiedersiehst, würdest du es niemals sagen.
Und genau da laufen die beiden Sprachen auseinander: Auf Spanisch sagst du der Verkäuferin sehr wohl „¡hasta luego!“.
Beim Verlassen der Bar, beim Aussteigen aus dem Taxi, beim Arzt, im Aufzug – auch dann, wenn beiden völlig klar ist, dass sie sich nie wiedersehen. „Hasta luego“ verspricht kein Wiedersehen. Es ist schlicht das spanische „tschüss“.
Vergessen nicht – aber leg sie beiseite, sobald du sprichst.
Merk dir stattdessen den Reflex: Wo im Deutschen „tschüss“ rauskommen würde, kommt im Spanischen „hasta luego“ raus. Und wo du im Deutschen „bis später“ sagen würdest, greifst du zu nos vemos.
Deshalb übersetzt du beim Abschied nie Wörter, sondern Situationen
Das ist die eigentliche Lehre aus diesem Fall, und sie gilt für alle vier Ausdrücke: Verabschiedungen sind feste Formeln. Ihre Bausteine sagen dir, wie sie einmal entstanden sind, aber nicht, wann man sie heute benutzt.
Bei uns ist es nicht anders. „Auf Wiedersehen“ enthält wörtlich ein Wiedersehen, das niemand plant. „Mach’s gut“ ist grammatisch ein Befehl, aber niemand fühlt sich befehligt. Wer solche Formeln Wort für Wort in eine andere Sprache trägt, landet zwangsläufig daneben.
Frag dich nicht: „Was heißt bis bald auf Spanisch?“
Frag dich: „In welcher Situation stehe ich – und was würde ich hier auf Deutsch sagen?“
⇒ Dann nimmst du den spanischen Ausdruck, der in dieser Situation fällt, nicht den mit denselben Vokabeln.
1. „Hasta luego“ – dein spanisches Standard-Tschüss
Wenn du dir aus diesem Artikel nur einen einzigen Ausdruck mitnimmst, dann diesen. „Hasta luego“ funktioniert immer. Es ist freundlich, aber nicht aufdringlich, es passt zu Freunden wie zu Fremden, und du musst vorher nicht abschätzen, wie nah ihr euch steht.
Gebaut ist es aus zwei Bausteinen, die du beide gut gebrauchen kannst:
- hasta – Präposition, „bis“. Zeitlich, örtlich und mengenmäßig einsetzbar (hasta mañana „bis morgen“, hasta Madrid „bis Madrid“, hasta diez euros „bis zu zehn Euro“). Das Wort stammt übrigens aus dem Arabischen (ḥattā) – eine der vielen Spuren, die acht Jahrhunderte al-Andalus im Spanischen hinterlassen haben.
- luego – Adverb, „später, danach“.
Und weil hasta so ein handlicher Baustein ist, hast du damit sofort einen ganzen Baukasten: Du tauschst einfach das zweite Wort aus.
Der „hasta“-Baukasten
・¡Hasta luego! (Bis später! ⇒ im Gebrauch: Tschüss!)
・¡Hasta mañana! (Bis morgen!)
・¡Hasta pronto! (Bis bald!)
・¡Hasta el lunes! (Bis Montag!)
・¡Hasta la próxima! (Bis zum nächsten Mal!)
・¡Hasta ahora! (Bis gleich! ⇒ wörtlich „bis jetzt“, gemeint ist: in wenigen Minuten)
Nein, und das ist die erste Falle für uns: Das spanische h ist immer stumm.
Es klingt also „asta luego“. Geschrieben muss das h aber stehen – asta ohne h gibt es nämlich auch, das ist der Fahnenmast. Wir hauchen im Deutschen jedes h am Wortanfang, und genau dieser Reflex verrät dich hier sofort.
Wann du hasta luego lieber nicht nimmst, wie du das weiche g in luego hinbekommst und warum hasta ausgerechnet in Mexiko das Gegenteil bedeuten kann – das habe ich mir hier ausführlich vorgenommen:
2. „Nos vemos“ – wenn das Wiedersehen wirklich gemeint ist
Hier ist die Übertragung dann tatsächlich eins zu eins – bis hinunter zum kleinen Pronomen.
nos vemos = „wir sehen uns“. Nos ist das „uns“, vemos ist „wir sehen“. Dieselbe Konstruktion, dieselbe Logik, sogar dasselbe reflexive Beiwerk, das im Deutschen mitläuft, ohne dass wir je darüber nachdenken.
Schau mal genau hin: Auf Deutsch sagst du „wir sehen uns“, nicht „wir sehen“.
Dieses „uns“ trägt die Information, dass es gegenseitig ist – jeder sieht den anderen. Und im Spanischen macht das kleine nos exakt denselben Job. Du hast diese Konstruktion also schon im Kopf, du musst sie nur mit spanischen Vokabeln füllen.
Gegenfrage: Sagst du „wir werden uns sehen“?
Natürlich nicht – du sagst „wir sehen uns“, ebenfalls im Präsens. Beide Sprachen benutzen fürs nahe, sichere Zukünftige einfach die Gegenwart. Das spanische nos veremos im Futur gibt es zwar, aber es klingt distanziert und feierlich, ungefähr wie unser „man wird sich wiedersehen“.
Auch nos vemos ist ein Baukasten – du hängst hinten dran, wann es so weit ist. Damit deckst du die deutsche Unterscheidung zwischen „bis später“ (heute noch) und „bis bald“ (irgendwann demnächst) mühelos ab:
Der „nos vemos“-Baukasten
・¡Nos vemos! (Wir sehen uns! ⇒ Bis dann!)
・Nos vemos al rato. (Wir sehen uns nachher. ⇒ Bis später – heute noch)
・Nos vemos pronto. (Wir sehen uns bald. ⇒ Bis bald)
・Nos vemos mañana. (Wir sehen uns morgen. ⇒ Bis morgen)
・Nos vemos el sábado. (Wir sehen uns am Samstag.)
・Nos vemos en la oficina. (Wir sehen uns im Büro. ⇒ auch Orte passen in den Steckplatz)
Ein angenehmer Nebeneffekt für alle, denen die Wahl zwischen tú und usted noch schwerfällt: In nos vemos steckt keine Anrede. Es gibt kein tú, kein usted, keine Verbform, die dich verrät. Du kannst es also sagen, ohne dich vorher entscheiden zu müssen – ein hübscher Fluchtweg, solange du unsicher bist.
3. „Cuídate“ – das spanische „mach’s gut“
Jetzt wird es warm. „Cuídate“ heißt wörtlich „pass auf dich auf“ – ein Imperativ an ein Du, gebildet aus cuida („pass auf“) und dem angehängten te („dich“).
Im Gefühl liegt es genau dort, wo im Deutschen „mach’s gut“ liegt: Man sagt es nicht der Bäckerin, sondern jemandem, der einem etwas bedeutet. Und es fällt typischerweise dann, wenn die Trennung länger dauert – am Bahnhof, am Ende eines Telefonats mit den Eltern, am letzten Abend einer Reise.
Ein bisschen Sorge schwingt tatsächlich mit – aber keine schlechte!
Es ist dieselbe Mischung wie bei „mach’s gut“: Ich verabschiede mich, und gleichzeitig wünsche ich dir was. Willst du es noch herzlicher, hängst du ein mucho dran: ¡Cuídate mucho! – „pass gut auf dich auf“.
Zwei technische Kleinigkeiten, die dir sofort auffallen werden:
- Das te klebt am Verb fest. Beim Befehl wandert das Pronomen im Spanischen ans Wortende: cuida + te = cuidate. Dadurch wird das Wort eine Silbe länger, die Betonung bleibt aber auf cui- – und deshalb braucht es plötzlich einen Akzent: cuídate.
- Es richtet sich nach der Anrede. Zu einem Du heißt es cuídate, zu einem usted heißt es cuídese, zu mehreren Personen cuídense. Hier musst du dich also – anders als bei nos vemos – festlegen.
Nicht verwechseln!
●¡Cuídate! (KUI-da-te) ⇒ „Pass auf dich auf!“ – ein Abschiedsgruß
●¡Cuidado! (kui-DA-do) ⇒ „Vorsicht!“ – ein Warnruf, wenn gleich etwas passiert
※Beide kommen von cuidar, klingen fast gleich – und richten in der falschen Situation ziemliches Chaos an.
Übrigens eine hübsche Fußnote zur Herkunft: cuidar kommt vom lateinischen cogitare, also von „denken“ – dasselbe Wort, das in „kogitieren“ steckt.
Aus „an jemanden denken“ wurde „sich um jemanden kümmern“. Genau denselben Weg ist übrigens unser deutsches „bedacht sein auf“ gegangen. Zwei Sprachen, derselbe Gedankensprung.
4. „Ahí nos vidrios“ – der Spaßabschied aus Mexiko
Und jetzt die vierte Schublade, die in keinem Lehrbuch steht: der Abschied, den man aus Spaß sagt.
Auch die haben wir im Deutschen. Niemand braucht „tschüssikowski“, „tschö mit ö“ oder „bis denne“ – wir sagen es trotzdem, weil es albern ist und weil man es nur zu Leuten sagt, mit denen man albern sein darf. Genau diese Rolle spielt im mexikanischen Spanisch ahí nos vidrios.
Der Ausgangspunkt ist „ahí nos vemos“ – „da sehen wir uns“, also „man sieht sich“.
Und dann passiert der Witz: vemos wird durch vidrios ersetzt, und das heißt „Glasscheiben“. Wörtlich steht da also „da uns Glasscheiben“. Ergibt null Sinn – und genau das ist der Punkt.
Volltreffer – mehr ist es nicht, und mehr soll es auch nicht sein.
Bei uns muss ein Wortspiel meistens noch eine zweite Bedeutung mitliefern. Hier reicht der Gleichklang völlig: ve-mos und vi-drios fangen ähnlich an, fertig ist der Kalauer. Spanischsprachige Länder haben davon Dutzende, und es hat wenig mit Sprachwitz und viel mit Vertrautheit zu tun.
Das Diccionario de americanismos der spanischen Sprachakademien führt die Wendung ausdrücklich als jugendsprachlich und scherzhaft und verzeichnet sie für Mexiko, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien – die Kurzform nos vidrios ebenso.
Dieselbe Verabschiedung in drei Tonlagen
●nos vemos (noss BE-moss) ⇒ „wir sehen uns“ – neutral, überall einsetzbar
●ahí nos vemos (a-I noss BE-moss) ⇒ „da sehen wir uns“ – lockerer, unter Bekannten
●ahí nos vidrios (a-I noss BI-drioss) ⇒ „da uns Glasscheiben“ – albern, nur unter Freunden
※Und noch ein Verwandter aus Venezuela und Chile: chao pescao (tschau pess-KAO), wörtlich „tschüss Fisch“ – dasselbe Prinzip, nur mit Reim statt Gleichklang.
Ausprobieren ja – aber mit demselben Fingerspitzengefühl wie im Deutschen.
Du sagst „tschüssikowski“ ja auch nicht zu deiner Chefin oder beim Amt. Faustregel: Erst hören, wer es sagt, dann selbst benutzen. Und niemals als Erster gegenüber jemandem, den du gerade kennengelernt hast.
Ahí nos vidrios – Bedeutung, Aussprache und warum Mexikaner sich mit „Glasscheiben“ verabschieden
Und was ist mit „adiós“? Das Wort aus dem Schulbuch passt seltener, als du denkst
Fast alle von uns haben adiós als allererste spanische Verabschiedung gelernt – und benutzen es deshalb als Standard. Das ist nicht falsch, aber es trifft oft nicht den Ton.
Adiós kommt von a Dios, „zu Gott“ – aus einer Formel, mit der man jemanden Gott anbefahl. Diese Herkunft hört man ihm zwar nicht mehr an, aber ein Rest davon ist geblieben: Adiós kann einen Schlussstrich markieren. Es steht bis heute auch für den endgültigen Abschied, den man nicht zurücknimmt.
Vergleich es mit unserem „leb wohl“ – auch das ist eine ganz normale Verabschiedung, und trotzdem sagt sie niemand beim Bäcker.
So streng ist adiós nicht, aber die Richtung stimmt. Im Zweifel nimmst du hasta luego. Damit machst du nie etwas kaputt.
Kurios genug gilt das nicht überall gleich stark: Für Venezuela verzeichnen die Wörterbücher ¡adiós! ausdrücklich auch als flüchtigen Gruß im Vorbeigehen – man ruft es sich zu, ohne überhaupt stehen zu bleiben. Verlass dich also nicht darauf, dass das Wort in jeder Region dasselbe Gewicht hat.
Und weil sie ständig auftauchen, hier noch die Nebenrollen im Überblick:
・chao / chau (tschau)
Aus dem italienischen ciao entlehnt – im Spanischen aber nur zum Abschied, nie zur Begrüßung. Locker und sehr verbreitet; chau ist die typische Schreibung im Süden Lateinamerikas, chao die sonst übliche.
・que te vaya bien (ke te BA-ja bien)
„Möge es dir gut gehen“ ⇒ etwa unser „alles Gute“. Ein Wunsch, keine reine Abschiedsformel – deshalb antwortet man darauf gern mit igualmente („gleichfalls“).
・hasta la vista (asta la BISS-ta)
Existiert wirklich, klingt im Alltag aber gestelzt – und dank eines gewissen Films hört es sich für viele nach Kino an. Nimm lieber hasta pronto.
・buenas noches (BUE-nass NO-tschess)
„Guten Abend“ und „gute Nacht“ in einem. Zur Begrüßung am Abend genauso richtig wie beim Abschied – anders als im Deutschen, wo wir dafür zwei verschiedene Formeln haben.
In drei Sekunden zum richtigen Abschied
Fassen wir das Ganze zu einer Entscheidung zusammen, die du im Kopf durchlaufen kannst, während du schon den Türgriff in der Hand hast.
Welche Verabschiedung nehme ich?
① Seht ihr euch heute noch mal?
⇒ JA: nos vemos al rato (noss BE-moss al RA-to) = „bis später“
⇒ Oder ganz kurz: hasta ahora (asta a-O-ra) = „bis gleich“
② Seht ihr euch demnächst wieder, aber ohne festen Termin?
⇒ nos vemos pronto (noss BE-moss PRON-to) = „bis bald“
⇒ Oder: hasta pronto (asta PRON-to)
③ Steht die Person dir nahe, und die Trennung dauert länger?
⇒ cuídate (KUI-da-te) = „mach’s gut“
⇒ Herzlicher: cuídate mucho (KUI-da-te MU-tscho)
④ Ist es unter Freunden, und darf es albern sein?
⇒ ahí nos vidrios (a-I noss BI-drioss) = „tschüssikowski“
⑤ Nichts davon trifft zu, oder du bist unsicher?
⇒ hasta luego (ASS-ta LUE-go) = „tschüss“ ⇒ passt immer
Nicht nur kannst du – Muttersprachler machen fast nie etwas anderes.
Ein echter Abschied klingt eher so: „Bueno, me voy. ¡Nos vemos mañana! ¡Cuídate! ¡Hasta luego!“ – „Also gut, ich geh dann. Bis morgen! Mach’s gut! Tschüss!“ Auf Deutsch stapeln wir genauso: „Also dann – bis morgen, mach’s gut, tschüss!“
Vier deutsche Reflexe, die dich beim Abschied verraten
Die Wortwahl ist die eine Hälfte, die Aussprache die andere. Und das Schöne ist: Es sind bei uns immer dieselben vier Reflexe, die zuschlagen. Wenn du die abstellst, klingen alle vier Verabschiedungen sofort viel besser.
1. Das „h“ hauchen
Wir sprechen im Deutschen jedes h am Wortanfang – „Haus“, „hallo“, „heute“. Im Spanischen wird es nie gesprochen. Hasta klingt „asta“, ahí klingt „a-i“, hola klingt „ola“. Geschrieben bleibt es trotzdem stehen.
2. Das „v“ als [f] lesen
Deutsches v ist ein f (Vater, Vogel). Spanisches v ist ein b – klanglich fällt es mit dem b zusammen. Also: nos vemos ⇒ „noss BE-moss“, vidrios ⇒ „BI-drioss“, que te vaya bien ⇒ „ke te BA-ja bien“. Wer „noss FE-moss“ sagt, wird zwar verstanden, aber sofort einsortiert.
3. Das „s“ am Wortanfang summen lassen
In „Sonne“ oder „sagen“ ist unser s stimmhaft, es summt. Im Spanischen ist jedes s stimmlos, so wie in „Bus“. Das betrifft zwar keinen unserer vier Ausdrücke direkt, dafür aber alles, was drumherum fällt: sí, señor, salud. Kein „Ssi“ mit Summen, sondern ein scharfes s.
4. Vokale dehnen
Wir unterscheiden lange und kurze Vokale bedeutungstragend (Staat/Stadt). Das Spanische kennt diesen Unterschied nicht – alle Vokale sind kurz und klar. Zieh das e in vemos also nicht in die Länge, und mach aus dem o in luego kein deutsches „ooh“.
Im Türrahmen denkst du an keinen einzigen davon – deshalb übst du sie einmal in Ruhe, und danach laufen sie von allein mit.
Sag dir die vier Ausdrücke morgen früh zehnmal vor dem Spiegel vor: hasta luego, nos vemos, cuídate, ahí nos vidrios. Danach sitzt der Reflex, und in der Tür denkst du nur noch an das, was du sagen willst.
Was antwortest du, wenn dich jemand verabschiedet?
Diese Frage macht Lernenden mehr Angst als das Verabschieden selbst – ganz unnötig, denn die Antwort ist fast immer die simpelste denkbare: Du gibst dasselbe zurück.
Die Rückgaben auf einen Blick
【Auf „¡Hasta luego!“】
・– ¡Hasta luego! – ¡Hasta luego! (– Tschüss! – Tschüss!)
・– ¡Hasta luego! – ¡Adiós! (– Tschüss! – Wiedersehen!)【Auf „¡Nos vemos!“】
・– ¡Nos vemos! – ¡Nos vemos! (– Man sieht sich! – Man sieht sich!)
・– Nos vemos mañana. – Sí, hasta mañana. (– Wir sehen uns morgen. – Ja, bis morgen.)【Auf „¡Cuídate!“】
・– ¡Cuídate! – ¡Tú también! (– Mach’s gut! – Du auch!)
・– ¡Cuídate mucho! – ¡Igualmente! (– Pass gut auf dich auf! – Gleichfalls!)【Auf „¡Ahí nos vidrios!“】
・– ¡Ahí nos vidrios! – ¡Ahí nos vidrios! (Einfach zurückgeben – der Witz lebt vom Mitspielen.)
Eine kleine Warnung zu igualmente („gleichfalls“), weil es so bequem aussieht.
Es passt nur, wenn dir jemand etwas gewünscht hat – auf cuídate oder que te vaya bien also ja. Auf ein schlichtes hasta luego hin wirkt es schief, ungefähr wie wenn du auf „tschüss“ mit „gleichfalls“ antwortest.
Welche der 4 Schubladen brauchst du gerade? Der 2-Fragen-Check
Die Wahl hängt nicht von Höflichkeit ab, sondern davon, was du über ein Wiedersehen versprichst und wie viel Wärme mitschwingt.
konkret – bis später / bis gleich
bis bald – ein kleines Versprechen
der Notausgang – passt immer, verspricht nichts
neutral, kein Risiko
warm, mit echter Anteilnahme
der Kalauer-Abschied – nur unter Freunden
※ Merksatz: Übersetze nie Wörter, sondern Situationen. Frag dich, was du auf Deutsch sagen würdest – tschüss, bis später, mach’s gut oder tschüssikowski – und nimm den spanischen Ausdruck aus genau dieser Schublade.
Abschied auf Spanisch – die Zusammenfassung
Hier noch einmal alles Wichtige auf einen Blick:
●nos vemos (noss BE-moss, „wir sehen uns“) ⇒ „bis später / bis bald“. Hier ist das Wiedersehen gemeint. Baukasten: al rato, pronto, mañana
●cuídate (KUI-da-te, „pass auf dich auf“) ⇒ „mach’s gut“. Warm und persönlich; zu usted heißt es cuídese
●ahí nos vidrios (a-I noss BI-drioss, „da uns Glasscheiben“) ⇒ „tschüssikowski“. Jugendsprachlicher Kalauer aus Mexiko und Mittelamerika, nur unter Freunden
●adiós (a-DIOSS) ⇒ nicht dein Standard: kann nach Schlussstrich klingen. Im Zweifel lieber hasta luego
●Der Grundsatz ⇒ nicht Wörter übersetzen, sondern Situationen vergleichen. Frag dich, was du auf Deutsch sagen würdest, und nimm den spanischen Ausdruck, der in genau dieser Situation fällt
Und jetzt der Satz, den du wirklich mitnehmen sollst: Du hast die Sortierung schon im Kopf, sie steckt in deinem Deutsch.
Tschüss, bis später, mach’s gut, tschüssikowski – vier Schubladen, die du blind bedienst. Leg einfach die spanischen Vokabeln hinein, und du verabschiedest dich ab morgen wie jemand, der weiß, was er tut. Also: ¡hasta luego!
Asociación de Academias de la Lengua Española: Diccionario de americanismos, Einträge „vidrio“ (ahí nos vidrios) und „luego“ (https://www.asale.org/damer/vidrio)
Real Academia Española: Diccionario de la lengua española, Einträge „luego“, „hasta“, „cuidar“, „adiós“, „chao“ (https://dle.rae.es/)
Wikcionario, Einträge „hasta“, „hasta luego“, „nos vemos“, „cuidar“, „adiós“, „chao“, „hasta la vista“ (https://es.wiktionary.org/)
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), Einträge „tschüs“, „bald“, „machen“ (mach’s gut) (https://www.dwds.de/)
PONS Online-Wörterbuch Spanisch–Deutsch (https://de.pons.com/)
Etimologías de Chile, Einträge „luego“ und „cuidar“ (etimologias.dechile.net)