guácala: Bedeutung, Herkunft und wie du „igitt“ auf Spanisch sagst

Kodak
Schau mal, stell dir vor: Du öffnest den Kühlschrank und findest ganz hinten etwas, das dort seit drei Wochen steht.

Was sagst du? Vermutlich „Igitt!“ oder „Bäh!“ oder „Pfui!“.

In Mexiko sagt man an genau dieser Stelle: ¡Guácala!

Guácala? Das klingt ja fast nach Guacamole. Hat das etwas miteinander zu tun?
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Diese Frage stellt fast jeder – und du bist damit einer beliebten Verwechslung auf der Spur! Die klären wir gleich noch auf, denn die Antwort ist interessanter, als man denkt.

Fangen wir aber mit dem Wichtigsten an: was das Wort bedeutet und wo man es überhaupt sagt, klar?

guácala: Bedeutung

„¡Guácala!“ (Aussprache: [ˈɡwa.ka.la], betont auf der ersten Silbe: GUÁ-ca-la) ist eine umgangssprachliche Interjektion, die Ekel, Abscheu oder Widerwillen gegenüber etwas oder jemandem ausdrückt. Die deutsche Entsprechung ist „Igitt!“, „Bäh!“ oder „Pfui!“.

Das Wort ist ein reiner Gefühlslaut. Es steht für sich allein, es wird nicht gebeugt, und es braucht keinen Satz drumherum.

¡Guácala! im Alltag

¡Guácala!, esta leche está echada a perder.
Igitt!, diese Milch ist schlecht geworden.)

¡Guácala!, no me gustan las cebollas.
Bäh!, ich mag keine Zwiebeln.)

・— Se le cayó al suelo y se lo comió igual. — ¡Guácala!
(— Es ist ihm auf den Boden gefallen und er hat es trotzdem gegessen. — Igitt!

Wo sagt man guácala? Die Landkarte des Ekels

Das ist der Punkt, an dem du aufpassen musst. guácala ist kein weltweit spanisches Wort, sondern ein regionales.

Wörterbücher verzeichnen es für Mexiko, Mittelamerika, Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru, Argentinien, Paraguay und Chile. Das ist ein riesiges Gebiet – aber ein Land fehlt darin auffällig: Spanien.

¡Guácala! ⇒ Mexiko, Mittelamerika und weite Teile Südamerikas. In Spanien praktisch unbekannt.

¡Puaj! ⇒ vor allem Spanien. Gilt als die von der Sprachakademie empfohlene Schreibung für den Ekellaut.

¡Fuchi!(auch ¡Fúchila!)⇒ Mexiko, Honduras.

¡Atatay! ⇒ Bolivien, Ecuador.

¡Fa! ⇒ Argentinien.

Ach so, also verstehen mich die Leute in Madrid nicht, wenn ich guácala sage?
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Verstehen schon – aus dem Zusammenhang und aus Filmen kennt man es. Aber es klingt dort ungefähr so, als würdest du in Hamburg plötzlich ein bayerisches Wort einwerfen: verständlich, aber auffällig fremd.

Die praktische Regel lautet also: Lateinamerika ⇒ guácala. Spanien ⇒ puaj. Wenn du dir unsicher bist, nimm ¡Qué asco! – das versteht und benutzt wirklich jeder.

Igitt auf Spanisch: die vier Stufen des Ekels

Nicht jeder Ekel ist gleich stark. Deshalb hier die Abstufung, damit du das passende Wort triffst:

Von leicht bis heftig

1. ¡Guácala! / ¡Puaj! ⇒ der spontane Ekellaut. Locker, oft halb im Scherz.
⇒ Deutsch: „Igitt!“ „Bäh!“

2. ¡Qué asco! ⇒ wörtlich „Wie ekelhaft!“. Kein Laut mehr, sondern ein Urteil. Deutlich stärker.
⇒ Deutsch: „Wie widerlich!“

3. Me da asco. ⇒ „Das ekelt mich an.“ Ein ganzer Satz, sachlich und ernst gemeint.

4. No lo soporto. ⇒ „Ich ertrage es nicht.“ Keine Reaktion mehr, sondern eine Aussage über dich.

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Achte auf den Sprung zwischen Stufe 1 und Stufe 2!

¡Guácala! ist ein Reflex – der Mund verzieht sich, der Laut kommt heraus, fertig. ¡Qué asco! ist dagegen schon ein Urteil über die Sache.

Wenn dir das Essen von jemandem nicht schmeckt, ist ¡Guácala! unter Freunden noch witzig. ¡Qué asco! wäre an derselben Stelle eine Beleidigung.

Ist guácala unhöflich?

Die kurze Antwort: Nein, vulgär ist es nicht. Es steht in keiner Weise in der Nähe von Schimpfwörtern und du kannst es in jeder Gesellschaft aussprechen, ohne jemanden zu schockieren.

Es hat allerdings einen kindlichen Beiklang. Kinder benutzen es sehr viel, und Erwachsene benutzen es entsprechend in lockeren, verspielten Situationen – ähnlich wie du „Igitt“ oder „Bäh“ eher am Küchentisch sagst als im Bewerbungsgespräch.

Passt: unter Freunden, in der Familie, mit Kindern, in Chats, in lockeren Gesprächen
Passt nicht: im Geschäftsgespräch, in einem formellen Text, gegenüber Vorgesetzten – nicht weil es unanständig wäre, sondern weil es zu verspielt klingt
Ach so, also nicht schmutzig, sondern einfach kindlich? Das ist ja ein Unterschied.
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Ein sehr wichtiger sogar! Viele Lernende trauen sich Wörter nicht zu sagen, weil sie befürchten, unhöflich zu sein.

Bei ¡Guácala! ist die Sorge unbegründet. Das Schlimmste, was passieren kann, ist dass jemand lächelt, weil es lustig klingt, wenn ein Erwachsener das sagt. Und genau darum sagen Erwachsene es ja auch – es ist bewusst albern.

Die Schreibung: der Akzent ist Pflicht

Hier machen Lernende den häufigsten Fehler. Richtig geschrieben wird das Wort guácala – mit Akzent auf dem a der ersten Silbe.

× guacala
○ guácala

Der Akzent hat eine klare Aufgabe: Er zeigt dir, welche Silbe betont wird. Ohne ihn würdest du das Wort nach den spanischen Grundregeln auf der vorletzten Silbe betonen, also „gua-CA-la“ – und das wäre falsch.

Fachlich gesagt ist guácala ein Wort mit Betonung auf der drittletzten Silbe. Solche Wörter tragen im Spanischen immer einen Akzent, ausnahmslos. Das ist eine der wenigen spanischen Regeln ganz ohne Sonderfälle.

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Wichtig für dich als Deutschsprachiger: Der Akzent ist kein Zeichen für die Tonhöhe und auch keine Lautänderung.

Das á in guácala klingt genau wie ein normales a. Der Strich sagt dir nur: Hier liegt der Druck. Er funktioniert also wie eine Betonungsmarkierung in einem Aussprachewörterbuch – nur dass er im Spanischen fest zur Rechtschreibung gehört.

Und die Varianten wácala und huácala?

Du wirst dem Wort in mehreren Schreibungen begegnen: guácala, wácala, huácala. Wörterbücher führen wácala ausdrücklich als alternative Form.

Der Grund für das Durcheinander: Die spanischen Buchstabenfolgen gua-, hua- und das entlehnte wa- klingen alle sehr ähnlich. Da das Wort vor allem gesprochen und selten geschrieben wird, hat sich keine einzige Form vollständig durchgesetzt.

Für dich gilt: Schreib guácala. Das ist die Form, die du in Wörterbüchern als Haupteintrag findest, und du machst damit nichts falsch.

Woher kommt guácala? Drei Erklärungen

Die Herkunft ist nicht endgültig geklärt. Es kursieren drei Erklärungen, und ehrlicherweise muss man sagen: Keine davon ist bewiesen.

Die drei Erklärungsversuche

1. Aus dem Nahuatl. Wörterbücher leiten guácala von guacal her, das seinerseits auf das klassische Nahuatl-Wort huacalli zurückgeht – eine Holzkiste zum Tragen von Waren.

2. Aus dem Quechua. Eine ebenfalls verbreitete Vermutung sieht die Wurzel in einem indigenen Wort der Andenregion für „abstoßend“.

3. Lautmalerei. Die schlichteste Erklärung: Das Wort klingt einfach nach dem gutturalen Geräusch des Würgens. Diese Erklärung passt gut dazu, dass Ekellaute in sehr vielen Sprachen ähnlich klingen.

Und welche stimmt jetzt?
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Das kann dir seriös niemand sagen – und genau das ist bei Ausrufewörtern völlig normal!

Interjektionen entstehen aus Geräuschen, nicht aus Schriftstücken. Sie werden jahrhundertelang gesprochen, bevor sie zum ersten Mal jemand aufschreibt. Deshalb bleibt ihre Herkunft fast immer im Dunkeln.

Für dein Sprachenlernen ist das übrigens ohne Belang – wichtig ist, wann du das Wort sagst, nicht woher es kommt.

Die Guacamole-Frage

Zurück zu der Vermutung vom Anfang. Klingen guácala und guacamole nicht verdächtig ähnlich?

Sie tun es – aber die Wortgeschichten laufen auseinander. guacamole geht auf das Nahuatl-Wort ahuacamolli zurück, zusammengesetzt aus ahuacatl(Avocado)und molli(Soße). Es bedeutet also schlicht „Avocadosoße“ und hat mit Ekel nichts zu tun.

guacamole ⇐ Nahuatl ahuacamolli = ahuacatl(Avocado)+ molli(Soße)
guácala ⇐ ungeklärt; die Wörterbuchspur führt über guacal zu Nahuatl huacalli(Holzkiste)

Beide Wörter stammen also möglicherweise aus derselben Sprache, aber von verschiedenen Wurzeln. Die Ähnlichkeit des Klangs ist ein Zufall – ein hartnäckiger allerdings, denn die Geschichte, dass „guácala“ irgendwie mit Avocados zu tun habe, hält sich im Internet zäh.

Die Schreibregel: ¡ am Anfang nicht vergessen

Wie alle spanischen Ausrufe wird auch dieser an beiden Enden eingerahmt:

× Guacala!
○ ¡Guácala!

Zwei Dinge auf einmal also: das umgekehrte ¡ am Anfang und der Akzent auf dem á. Beides gibt es im Deutschen nicht, beides ist im Spanischen verbindlich.

Der deutsche Vergleich: Igitt, Bäh, Pfui

Interessantes Detail zum Schluss: In mehrsprachigen Wörterbüchern wird als deutsche Entsprechung zum spanischen Ekellaut puaj genau das Wort „igitt“ angegeben. Näher können sich zwei Wörter kaum kommen.

Igitt!¡Guácala!(Lateinamerika)・¡Puaj!(Spanien)

Bäh!¡Guácala!¡Fuchi!

Pfui!¡Fuchi!¡Guácala!

Wie widerlich!¡Qué asco!

Das ekelt mich an.Me da asco.

Ach so, also muss ich mir gar kein neues Gefühl merken – ich tausche nur den Laut aus. Das ist beruhigend.
Kodak

Genau so funktioniert das ganze Thema! Ausrufewörter lernst du nicht wie Vokabeln, sondern du tauschst den Laut aus, den du sowieso schon machst.

Beim nächsten verdorbenen Joghurt sagst du also einfach ¡Guácala! statt „Igitt“. Mehr ist es nicht, klar?

Zusammenfassung: guácala

¡Guácala! ist eine umgangssprachliche Interjektion für Ekel und Abscheu – deutsch: „Igitt!“, „Bäh!“, „Pfui!“.
●Verbreitet in Mexiko, Mittelamerika und weiten Teilen Südamerikas. In Spanien sagt man stattdessen ¡Puaj!.
●Der Akzent auf dem á ist Pflicht: × guacala○ guácala. Er markiert die Betonung, nicht die Tonhöhe.
●Varianten: wácala, huácala. Als Hauptform gilt guácala.
●Die Herkunft ist ungeklärt – diskutiert werden Nahuatl, Quechua und schlichte Lautmalerei.
●Mit guacamole hat es nichts zu tun: das kommt von ahuacatl(Avocado)+ molli(Soße).
Nicht vulgär, aber kindlich-verspielt. Stärker wird es mit ¡Qué asco!.
Kodak
Ekel ist nur eines von vielen Gefühlen, für die das Spanische einen eigenen Laut hat. In der Gesamtübersicht siehst du, wie ¡Ay!, ¡Uy!, ¡Uf! und ¡Guau! dazu stehen.

Spanische Interjektionen: 30 Ausrufe, die du als Deutschsprachiger fast geschenkt bekommst